zwischen den jahren

heute traf ich wieder igor. der kleine igel kam durch die hintertür. unglaublich – dieser kleine schelm! verschmitzt lachte er mich an. ich war verdutzt. u doch konnte ich nicht sauer sein. seine winzigen augen tanzten in seinem gesicht als er mit zum teil verkniffen angespannten mundwinkeln u doch lachend wortlos in der wohnung stand. ich lag lesend auf dem sofa. wie hatte er das hingekriegt? unbemerkt hier rumzulungern? u wie lange war er schon da? eigentlich — so im denkenden status u aus etwas entfernung versucht sich die wut in mir doch einen weg zu bahnen. aber — u das macht mich schon wieder froh u fröhlich — bei genauerem hinsehen ist es keine wut: es ist erstaunen. eigentlich ein ergriffenes stauen über die dinge. den lauf der dinge. dass ein kerlchen wie igor – ausgesetzt u eingeladen, aufgerappelt u zähne zusammengebissen um anzukommen u doch wieder ausgestoßen zu werden – so ehrlich freude zeigen kann. dieser süße knopf! da in meiner wohnung. am ende meines sofas. u ich lächle zurück. kann man da anders? als normaler u gesunder mensch? nein, ich finde nicht. also mache ich milch warm u hole honigbonbons.

zu tisch erzählt mir igor schmatzend davon dass das normal ist wo er herkommt. draußen schaffen es alle meines gleichen ein trauma zu überleben. sie igeln sich ein bleiben kurz bei sich zählen die vorhandenen beine u lecken sich über die schnauze. dann sehen sie sich vorsichtig um ob der löwe auser sichtweite ist u nehmen die übergebliebenen beine in die Hand. ihre herde finden sie meinst wieder. wenn sie ankommen – zerzause u erleichtert – ist das ein freudenfest. keiner ist sauer o beleidigt. die zurückgelassenen nicht u auch die herde nicht. that s life. aller freuen sich. u es wird gefeiert. selbst die jäger werden nicht doof angeschaut. that s life. fressen u gefressen werden. auch simba ist mein freund. sagt igor. irgendwie.

nur bei den verwandten hinter gittern ist irgendwas schief gelaufen. die haben die freude verlernt. die leben nichtmehr. die grenzen sind zu eng. die pfade zu ausgelaufen. der geist folgt dem körper. alle beiden eingesperrt. u die kommen da einfach nicht raus. arme säue.

ah. sage ich. ja. das macht sinn. u denke an wilhelmas dumbo. wie er sich wie in trance immer wieder sand über den rücken schleudert. u einen fuß abgeknickt vor u zurück wippt. gefangen ist nicht schön.

nein. sagt igor. gefangen ist nicht schön. wie frei bist du denn?

ach – gab schon unfreiere zeiten.

ja. das dachte ich mir. sagt igor. u lächelt verschmitzt. darf ich wieder kommen? ich komme sehr gern.

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