die guten ins töpfchen die schlechten ins kröpfchen

meinen ersten igor traf ich mit 6 jahren. also er war sechs. u der klassische. bis jetzt vmtl der faszinierendste den ich seither getroffen habe. seine —- nein es waren nicht nur seine augen die hallo welt! was hast du für mich?! sprachen. jede pore seines körpers drückte dieses neugier aus. diesen forscherdrang. diesen jagdtrieb. alles bekommen zu wollen was sich anbot. u auch das was sich nicht anbot. immer u in allem erster zu werden. nicht aufzugeben. sein „hallo“ war das süßeste von den hallos die ich bisher gehört habe. einbisschen war es wie gesungen. ein fröhlich gesungenes hallo. ein sehr kurz u knappes. ein unglaublich zugewandtes u neugieriges. los! du u ich. lass uns diesen tag zusammen erkunden. zeig ihn mir! oder auch zeigst du ihn mir?!? — bitte. schien es zu sagen. seine höflichkeit war umwerfend. igors feinheit die vollkommenste.u seine ideen übertrafen alle anderen. dabei schienen sie aus dem beobachten raus geboren zu werden. wie ein erwachen. o zugefallen. igor war zunächst ein beobachter. aufgaben u anweisungen führte er nicht einfach aus. er wartete bis seine umsetzung dazu gestalt annahm. meistens dauerte das nicht lange. es konnte schon — aber meistens nicht. u meistens waren die resultate nicht die zu erwartenden. er malte seine buchstaben. u die zahlen. er malte sie in unterschiedlichen größen in die einheitlich großen erstklässlerzeilen der deutsch- u mathearbeitsblätter. u in unterschiedlichen farben. u in unfassbar langer zeit. dabei schien es ihm völlig egal zu sein was die mäuse u katzen, die elefanten u tucane neben ihm mit der aufgaben taten. geschweige denn was die große eule eigentlich wollte. voller stolz zeigte er seine blätter.
draußen konnte er nicht —- er war nicht aufzuhalten. u bei seinen spielen mit den anderen tierkindern zuzusehen ließ die zeit vergessen. er konnte stundenlange unbeteiligt in der ecke o nervend in der gruppe stehen. u dann ganz plötzlich als wäre der gendanke vom himmel in sein igelköpfchen gefallen – aus einem impuls heraus – fängt igor an einen stecken über den bach zu legen. um drüber zu laufen. wir lachen. so kann das nicht gehen. aber igor lässt sich nicht foppen. er nimmt noch einen. u noch einen. u irgendwas an ihm ist so mächtig dass es funken schlägt auf die um ihn. irgendwas ist so ansteckend dass alle teilnehmer am karneval der tiere am ende mit an der brücke bauen. das einem igelnest so sehr ähnlich sieht. u doch so verwegen aussieht dass kaum einer sich darüber traut. u wer machts? igor. er geht allen warnungen zum trotz. über den steg aus den gemeinsam zusammengetragenen u ineinander gesteckten baumästen. die an einen adlerhorst erinnern: kein sichererhalt für einen fuß. geschweigedenn für eine hand. in luftiger höhe. hat igor das überhaupt wahrgenommen? vmtl nicht. aber wir haben wahrgenommen dass er es war der die nette weihnachtsfeier mit kindern, eltern u lehrern zu einem krönenden abschluss gebracht hat. bei dem alle zusammengefunden haben. u spass hatten. bei dem dieses sichtbare kunstwerk entstanden ist. und das unsichtbare: alle sind gelöst u lachen. alle sind eingebunden u teil von etwas ganzem.

igor strahlt. u hüpft. u erzählt. u lacht. er schwebt. ganz ohne flügel u luftballon. vlt kugelt er auch. er kugelt u kullert. u segelt mit allen vieren von sich gestreckt. u seine eltern sehen sich erleichtert an. u uns auch. u die anderen eltern. u kinder. die kinder merken dass garnicht. sie balancieren jetzt alle nacheinander. vergessen der morgen.

denn am morgen kugelte igor auch. aber nicht vor freude. er igelte sich ein. mitten im bus. u wollte nicht in die klasse kommen. seine busbegleiterin rief an. in der klasse. igor will nicht in die klasse. er steht an der bushaltestelle. nicht s zu machen. —- ok. ich komme
u da stand er: verlassen u allein. der erstklässlerranzen neben ihm. seine hände in den jackentaschen. seine augen —- die angriffslust war schon gewichen. vmtl mit dem bus. der einfach abgefahren war. unfassbar! eigentlich war da nur traurigkeit. in den augen. u unsicherheit. u einbisschen erleichterung. als er mich sah. gott war dieses kind besonders. wir standen uns gegenüber. ich hatte absolut keine ahnung was ich machen sollte. wie ich igor ins klassenzimmer bugsieren sollte. also sah ich ihn nur an. aus etwas entfernung. u sagte hallo. igor sah auch eine weile. unschlüssig u verlegen. hin u her tippelnd. so standen wir uns gegeüber. eine zeitlang. u um ehrlich zu sein hab ich keine ahung wer den ersten schritt gemacht hat. vmtl war es ich. u wie dieser aussah. vmtl sagte ich komm. wir gehen. ich weis noch dass sich seine feine hand schön in meiner anfühlte. u auch der umstand dass er sie nahm war bezaubernd. wir hüpften gemeinsam ins klassenzimmer. die treppen nahmen wir singend. nicht auf die anderen achtend. gott war diese zeit schön. auch seine ausraster. sein stühle werfen. sein egozentrisches autospielen mit unterrichtsbeginn. sein essen abweisen. u die dramen im speisesaal. in den hauptrollen: er u ich. live. seine ausbüchsen u verstecken hinter der klotüre. sein toben im nebenraum. u das feuer in seinen augen. va das war sagenhaft.

ich war bekennender fan von igor. gegen alle widerstände.

igor konnte nicht mit der busbegleiterin. weil sie eine alte igor.schrulle war. u ja: busbegleiter haben es nicht leicht. u auch der busfahrer konnte nicht mit ihm. weil er eine igor.kautz war. ach ja: auch busfahrer von schülerbussen haben es nicht leicht. igor konnte auch mit den fachlehrern nicht. auch die haben es nicht leicht. u mit einigen schülern auch nicht. eigentlich mit den meisten. dh eigentlich konnten die schüler nicht mit ihm. sie hatten angst vor den stühlen. zurecht. eigentlich konnten die lehrer nicht mit ihm. die busfahrer u die busbegleitung auch nicht. igor konnte mit ziemlich vielen. eigentlich mit allen. er war meistens höflich. u auch nicht zickig gegen kinder. u nachtragend auch nicht. wenn ein stuhl ein kind traf dann nicht weil er das kind treffen wollte. sondern weil das kind in der flugbahn des stuhls stand. 

ich versuchte igor mit allen mitteln an der schule halten zu können. in einem funktionierenden u liebevollen umfeld. trennungen u schweres hatte er genug erlebt. ich organisierte therapiemöglichkeiten. u fahren zur therapie. ich organisierte eine kooperation mit der schule für erziehungshilfe u gespräche am runden tisch. wir waren sehr knapp vor einer schönen lösung. vieles zeichnete sich gut ab. u dann brach doch alles zusammen. weil die kasse nicht zahlte. weil die fahrten nicht möglich. weil igor auf sozialer u emotionaler ebene entwicklungsverzögerungen hatte. u im system einsystematisiert werden musste. aber va weil die lehrer nicht wollten. ich habe gekotzt. u wir haben gemeinsam die schule verlassen. weil auch ich sozial u emotional beschränkt war u viele froh endlich wieder dienst nach vorschrift machen zu dürfen. 

igor landete auf der ungünstigsten schule die es gab. er saß im hintersten eck des klassenzimmers. u die neue lehrerin konnte von anfang an nicht mit ihm. er war zu langsam u zu hinterher. außerdem zu auffällig. u unbeugsam.
trotz seiner bindungstraumata konnte igor auf ein unfassbares kreatives potential zurückgreifen. das wiedersprach jeder psychologischen theorie von bindungsstörungen. er war unglaublich. ich hoffe er hält durch bis zum ende seine schullaufbahn. das wäre ihm u va der gesellschaft zu wünschen. sonst haben wir einen weiteren kreativen kopf verloren. ich hoffe ich halte auch durch.

im wald schaffte es igor spielend die brücke zu schlagen für soviele große u kleine die nicht wussen was reden o was tun. am ende waren alle eins u versammelt um diesen igel-adler-steg. u igor strahlte. u hüpfte. u erzählte. u lachte. er schwebte. ganz ohne flügel u luftbalon. vmtl kugelte er auch. er kugelte u kullerte. u segelte mit allen vieren von sich gestreckt. u seine eltern sahen sich erleichtert an. u uns auch. u die anderen eltern. u kinder. die kinder merken dass garnicht. sie balancieren jetzt alle nacheinander. mit u um igor. alle eins. u die stacheln waren vergessen. u das alles verdankten wir igor.

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