die türkischen frauen sind wieder da. sie sitzen im kindersepare. die glastür zugezogen. lauter kopftuchtragende frauen. vlt nichtmal türkinnen. in meinem rücken. u ich fühle mich daheim. 

ich habe mich sehr auf diese zeit gefreut. jan/feb. wenn die käserei pause hat weil die ziegen ihre babys kriegen. u keine kinder für die kunst. weil es im gartenhaus zu kalt ist. u weniger markt. weil ich dort gekündigt habe es auslaufen darf u dieser freitagstermin neuem platzmachen soll. ich habe mich gefreut auf die zeit in der ich endlich wieder zeit habe fürs schreiben. für malen. zeit um mit mir zu sein. zu mir zu kommen. bei mir an. u dann ist sie da u sie ist anstrengend. auf einmal wünsche ich mir wieder den tubel aus der schule zurück. stelle mir die tage der woche geschickt mit kaffee-terminen um freundinnen zu treffen o anderes abzuhaken. u dann fallen sie alle: einer nach dem anderen. u die tage liegen wieder vor mir wie ich mich eigentlich darauf gefreut habe. leer u unverbraucht. zeit zum schreiben.

die zeit die hinter mir liegt war wild.
im sommer – noch in der plaungsphase meiner selbständigkeit – treffe ich igor am hähnchengrill. ich fragte ihn nach seiner geschichte. sie ähnelte aus der ferne sehr der meinen: absage an die sicherheit des beamtenstatuses u aufbau einer selbständigkeit. auf unsicherem gebiet. u dann muss man halt so lange suchen bis man seinen platz gefunden hat war sein letzter satz u in mir mischte sich dieser satz mit etwas — von mir. er stand vlt auch bildlich vor mir. in buchstabe u wörtern. o er hatte eine andere tonlage als die davor. oder farbgebung. ich weis es nicht. in jedemfall waren meine antennen aufgestellt. u ich ging in abwehrtstellung. innerlich. stumm warf ich diesen satz zurück in igors —- dunstkreis. oder ich stellte ihn dort ab. mehr bei ihm als bei mir. als wäre er nicht teil von mir. denn ich weis ja wer ich bin. u was ich kann. u va was ich will. das weis ich ziemlich genau. wusste ich.

doch dieser satz kam immer wieder zurück. er fand seinen weg zu mir. immer wieder. auf unterschiedlichen wegen. ohne igor. aber jedesmal sah ich sein gesicht vor mir. er selbst begegnete mir auch hin u wieder. beim cafe einer tante. oder beim zahlen im gemüseladen. o in der weihnachtlichgeschmückten waldschenke. jedesmal grüßte er sehr freundlich. u ich fühlte mich verbunden. aber auch einbisschen —- unbekannt. weil da dieser satz war. u ich immernoch nicht wusste was diese veränderung der leseart mit mir zutun hatte. ich wusste sehr wohl das sie etwas mit mir zu tun hatte. das ich nur zu stolz war das anzunehmen. oder zu faul. 

suchen ist sehr anstrengend. es kann sehr anstrengend werden. verbissen. oder lästig. oder ängstlich. wie die eiersuche an ostern. 

einbisschen auch wie eine schnitzeljagt. oder ein geländespiel. ein orientierungslauf. geocaching. die cameltrophey. oh mein gott. 

suchen zu dürfen kann das schönste im leben werden. sich nicht zufriedengeben mit dem status quo. mit dem was gesetzt ist. gesetzt scheint. wie dinge zu sein haben. in allen bereichen des lebens: mein beruf. mein partner. mein gott. mein auto. ich. 

ich danke dir igor. für diesen satz. ich muss dir das mal sagen wenn wir uns das nächstemal begegnen. irgendwo. u ich danke dir —- * —- für dieses subtile wahrnehmen von tonlageveränderungen. oder farbtonänderungen. in mir. für diese schnitzel durch mein leben. oh gott! geländespiele machen solchen spass. wenn das gelände weit ist.

die türe hinter mir geht auf. sechs abayas laufen auf wunderschönen schuhen enganliegend u elegant an mir vorbei. abgestandene mit parfümvermischte luft lässt eine intensive zeit vermuten. orient. u mein kaffee ist kalt geworden. draußen fährt meines vaters rentnerschlitten an meinem lieblings schwabenbäckers vorbei u biegt vom industiegebiet in den kreisel richtung weil mitte: arbeit erledigt. mein erstmal auch. ich klappe gleich das macbook zu u lese noch in barak obamas einschätzungen der zeit. einbisschen. ich hätte gern die ganze welt für meine trophy.

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