meine letzten monate war sehr —- wild. eigentlich ist mir das alles zu wild was ich gerade mache. ich bin 39 u weis immernoch nicht wo ich stehe im leben. o sitze. geschweige denn was ich will. wobei: genaugenommen weis ich auf alles eine antwort: momentan sitze ich in der stadtbücherei in böblingen. u schreiben dies u das. lese hier u dort. u schaue aus dem fenster. oder in das fenster: das dunkle ist u demnach schaue ich mich an. ich drehe die fransen meiner noch nicht optimalen frisur  hin u her. u überlege ob das so funktionieren kann. mit diesen dünnen haaren. ob der undercut mit 39 – neununddreisig – doch etwas zu jugendlich ist. sie waren so schön mit 18. oder kurz danach. leicht gewellt u lang bis zum hintern. u so kaputt von den blondierungen u farben. u auch da schon so dünn. dass man sie nur offen lassen konnte. o sollte ich die haare einfach wieder kurz schneiden? wie mit 30? raspelkurz. oder ob mir die geduld für endlich wieder lange haare haben können mittlerweile geschenkt würde würde ich mich einfach zwingen. beides nicht. also drehe ich weiter u überlege. u probiere. mittlerweile nicht mehr beim friseur sondern bei muttern. u mit mama. 

dazwischen laufe ich durch die stadt. durch diese u jene. kaufe billigen modeschmuck o rede mit verkäuferinnen von neu eröffneten kunsthandwerker-ausstellungs-&-verkaufsläden u mache habe ideen. ich schaue hier u da. u warte. habe noch mehr ideen u mache pläne für dinge die ich machen will. u hoffe darauf dass ich sie dann auch mache. das mich wieder der elan packt wie damals. 

nebenan sucht ein mann mittleren altes. mitte älteren – ende mittleren alters nach einem buch. nach einem guten buch. wenn sie doch endlich mal ein gscheids buch rausbringen würden! igor sitzt mit dem stuhl vor dem bücherregal mit der systematik „recht“ u schimpft vor sich hin. das ist doch ein scheiss buch. das ist doch ein scheiß buch. wenn ich das schon seh. dabei hat er sich nur die inhaltsverzeichnisse angesehen. dann geht er weiter. von weitem höre ich ihn noch. halbwegs hat er jetzt eins gefunden. ein einzigstes. er kommt wieder vorbei. läuft hier u dahin. unablässig. der stuhl steht noch immer im nachbar regal. das durch die dunklen fensterscheiben zu mir rüber versetzt wird. der stuhl der konzentriertes u standhaftes recherchieren symbolisiert. u sich in der dunklen fensterscheibe mit meiner noch unvollendeten fransenfrisur trifft. igor ist aber kaum gesessen schon wieder aufgesprungen. seine hms u achs bestimmen als konstante u zielgerichtete laute vor dem kinderstimmengewirr und bibliothekarinnenberatungssingsang im hintergrund meine auditive umweltwahrnehmung. 

das ist mein leben. ich suche. immer noch. ich bin in ausbildung u selbststudium. neben dem aufbau einer freiberuflichen tätigkeit. ich studiere freiberufliches arbeiten. u versuche mich zwanghaft daran glücklich zu sein. im moment zu leben. u bin es auch. die meiste zeit im leben bin ich es. ich denke nicht weiter als diese woche. ich denke in zeiträume heute – diese woche – kommendes jahr. alles dazwischen wird verdrängt. u auf halte gestellt. besser gings bisher nicht im leben. keine halbe sachen. u lebe lieber ungewohnlich.

später treffe ich igor nochmal kurz vor der auslage der magazine. er sucht wohl auch. u immer noch. das gefundene buch ist verschwunden. unschlüssig steht er vor der wand magazine. mir ist nicht bewusst das er eins rausgenommen hat. ich habe dies o das genommen. aber eigentlich war die zeit um. die luft raus. nichts geht mehr. eigentlich ist suchen toll. wenn man es sich leisten u es genießen kann. eigentlich kann ich beides. ich werde vom arbeitsamt unterstützt. u arbeite 450Euro. genießen ist da schon kniffliger. es ist schwer suchend das zu finden was man will. o ohne vorstellung zu suchen. loszulassen von den vorstellungen. u ohne sinn zu leben. sinn nicht im … ich kann mir nicht vorstellen dass alle bücher scheiße sind. u sollte es doch so sein: igor! leinen los!

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