von blümchen…

wie beim löwenzahn wächst die blume aus dem boden. es wird kein Asphalt durchbrochen – nein! das freie feld ist der standort. in mitten einer wiese. weder eine blumenwiese noch ein anderweitig kultiviertes feld. es ist einfach irgendwo. könnte überall sein. vlt im tal. zwischen bewaldetem hang linker- u bebautem andererseits. ein bach fließt am tiefsten punkt des tals. unberührt u wild plätschert das wasser. keine menschenseele weit u breit. nur die wiesen u du. der himmel mit sonne. kein wölkchen trübt das wollige gelb das vom himmel scheint. alles ganz normal. bis auf diese blume. die da in einiger entfernung wächst. so schnell dass du zuschauen kannst. u eigentlich wächst auch nicht sie. ihr stängel ist es der wächst. der sich aus dem boden immer weiter richtung himmel schiebt. die blüte schiebt. so schnell dass du garnicht wahrnehmen konntest welche farbe die blütenblätter hatten. geschweige denn welche blüte es war. war es denn eine? in deiner erinnerung – in der tatsächlich sekunden tragenden vergangenheit denn so muss es schon fast beschrieben werden: diese schnelligkeit der veränderung des gesehen lässt dich sekunden als erlebte u beinahe vergessene vergangenheit wahrnehmen – deiner empfindung nach lässt sich diese blume also am ehesten als gemalte kinderblume aus der vergangenheit – der unmittelbaren von vor einpaar sekunden u der mittelbaren aus deiner kindheit oder jugend als du sie in die karos deiner mathehefte während langweiliger algebrastunden gemalt hast – beschreiben. ein kreis in der mitte u fünf drum rum. in blau rot oder gelb. meist mit dünnen fineliner u in angeordnetem muster degradierten sie das pädagogische u didaktische vermögen der unter- mittel- oder oberstufen studienräte. jetzt also hier. diese blume. mittlerweile so hoch in den himmel erhoben dass die winzigen blütenblätter kaum noch erkennbar geschweige denn zählbar sind. allein der stiel ist noch sichtbar. der dafür zu atemberaubender dicke angeschwollen. glatt u grün. u gerade. wie mit dem linial gezogen. unweigerlich assoziieren deine hirnsynapsen wieder jene mathestunden in denen – jetzt nicht algebra mehr der fachbereich der geometrie – du mit lineal u eben jenen finelinern die eben noch blümchen malten bunte koordinatenkreuzchen mit dem lineal verbandst. zu welchem zweck nochmal? vergessen! aber das bild sah schöner aus im heft. die sinnlosigkeit war dieselbe. aber gerade u ordentlich war alles. gerade u ordentlich wie dieser blumenstängel dem du dich jetzt mit innerem stauen bis auf wenige meter näherst. nocheinmal legst du den kopf bis zum anschlag in den nacken: keine chance. unerkennbar weit weg ist — ja was nochmal? beinahe erwartest du beim zurücknehmen des kopfes mit geschlossenen augen um der realität eine letzte chance zu geben – du erwartest einen wild wuchernden dschungel um dich aufsprießen. einen beweis dass du — dass irgendwas. dass — dass — dass egal was. dass irgendetwas! dass etwas nicht stimmt. aber alles ist unverändert. die wiesen. die hänge linker- u rechterhand: wald u dorf. der himmel blau die sonne gelb. der blumenstängel. vor dir. so nah dass du ihn u die blätter berühren kannst. fleischige kleine blätter. ja wie die an den kinderblumen. beinahe kreisrund. u grün. sogar die einzige blattader in der mitte ist als helle vertiefung erkennbar. angeordnet. einladend angeordnet um am blumenstiel nach oben zu steigen. ohne klettern ohne hangeln. u natürlich(!): ohne geländer. ein blatt nach dem anderen. eine wendeltreppe. u als würde dein hirn erneut in das zeitmanko treten in dem vergangenheit u gegenwart in sekundenabschnitten deutlich getrennt werden erscheint dir alles jetzt als selbstverständlich. selbstverständlich steht hier ein blumenbaum. selbstverständlich stand er gerade noch nicht da. u selbstverständlich trittst du auf die unterste blattstufe u trittst selbstverständlich den aufstieg an. wie das hinaufgehen der langen treppe von der s-bahnhaltestelle schwabstraße hinauf in die seyfferstraße. unterbleiben lohnt nicht. natürlich sinnlos. deswegen bist du ja hierher gekommen. weil du hoch willst. warum? darum! doofe frage. so doof! eine um die andere stufe nimmst du. dass dein fuss kaum ein zweites mal auf die blätterstufe passt stört dich kaum. bald garnicht mehr. selbstverständlich. bald so nebensächlich dass du anfängst hochzuhüpfen. bald so sehr dass die blätter die du betrittst nach unten wippen. dann auch die davor u danach. sie tanzen als würden sie sich freuen dass du sie gleich betrittst. oder sie eben erst verlassend betreten hast. du freust dich. du lachst. u jauchzt. du kannst dir garnicht vorstellen je etwas anders getan zu haben. du kannst dir garnicht vorstellen je — du stellst dir garnichts mehr vor. nichtmal dass du dir garnichts vorstellst. du hast das denken  — das denken hat sich eingestellt. du gehst. du springst. du lachst. du schaust u staunst. nicht über die absonderlichkeit. sondern über – über – über — nichts. du staunst. einfach das. staunen. über das staunen an sich. über die freude. ach ja. du staunst auch nicht. du freust dich. u staunst beim lesen dass es ein stauen gibt das nicht verblüffend u ungläubig staunt sondern freuend. ein entdeckendes staunen. eins das traut. weil es nicht zweifelt. weil es noch nicht kennt. oder zu kennen meint. weil es nicht abschätzt oder vergleicht. weil es nicht denkt. sondern einfach nur ist. kennst du das?

u so drehst du runde um runde. längst weist du nicht mehr wo du bist. u – aaaah – es ist auch egal. irgendwo zwischen himmel u erde. schon dort. oder noch hier. egal. du bist wippend, hüpfend, laufend, stehend, schleichend, rennend, lachend, freuend, stauend — in allem bist du einfach du. da. auf der blumenwendeltreppe.

u dann wird dein hüpfen jäh unterbrochen. weil sich eine stufe – diese unmittelbar vor dir – aufstellt. sie stellt sich auf wie — sie ändert ihren winkel zum blumenstiel: nicht mehr sichere neunzig grad sondern ungewohnte fünfundvierzig. du kräuselst die augenbrauen – hältst kurz inne – u überbringst diese stufe. doch sie bleibt nicht allein. zu der ersten aufmüpfigen gesellen sich weitere aufmüpfige blumenblätter. mh – denkst du – moment! nicht witzig! u verlangsamst deinen gang…

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