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mit dem ersten schritt raus aus dem bus fühle ich eine verunsicherung. was ist denn das? nein, das ist nicht das oft beschriebene komische gefühl im bauch: mein bauch fühlt nichts! kein grummeln, kein ziehen. ihm ist auch nicht unwohl. alles ganz normal. mein bauch fühlt nichts. dieses sprichwort ist mir fremd. ich zweifle seinen wahrheitsgehalt an. u doch bin ich nicht ich. wie wacklig setzte ich einen fuss vor den anderen. ich gehe wie zurückgezogen. ja: verunsichert! als ich zum erstenmal diese verunsicherung wahrgenommen habe, hätte ich am liebsten schlimme dinge getan. das war eine andere situation: an einem anderen ort. zu einer anderen zeit. in einem anderen leben?!? vmtl sind auch meine schultern eingezogen, mein kopf zurück. solche sachen. das hat eigentlich schon im bus angefangen: mein nebensizer – ein kleiner, eher schmächtiger schwarzer engel, mit angedeutetem ziegenbärtchen, die schwarzen kopfhörer um den hals gelegt – hat anstalten gemacht auszusteigen. dann sagt er in unverkennbar afrikanischen englisch: this is busstation. zögernd stehe ich auf. ich lasse ihn durch. unentschlossen was ich machen soll. er hat mich hierher gebracht. ohne ihn wäre ich an der heute toten zugstation gestrandet: keine züge heute. ruth hat mich dort abgeladen u war nach einem fürsorglichen soll ich noch mit rein wieder heimgefahren. genau dieser satz klingelt in dauerschleife in meinen ohren kurz nachdem ich auf den toten bahnhof zugelaufen, die dunkeln türen gesehen u schließlich von einem vereinsamten, tätowierten, auf eine art grinsenden mann höre today no trains. es ist die berühmte sekunde in der der groschen noch irgendwo aufliegt, irgendwo. bevor er fällt. u dann wechseln sich diese sätze ab: today no trains, today no trains, today no trains —- soll ich noch mit rein?!? today no trains. auf den absätzen mache ich kehrt u renne dem weisen vw-bus hinterher. nichteinmal die heckklappe ist mehr zu sehen. zulang war dieser groschenfall. jetzt liegt er am boden. platt u schwer. da war kein ausgerollen so schwer ist er: buff! u ich stehe da. i the middel of nowhere. ich drehe mich langsam um. an einem heisen tag. keine klos. setzte einen fuss vor den anderen. kaum schatten. fremdes land. meine synapsen laufen heiss – dann steht alles still. keine spache. die des landes nicht u die eigene nicht fähig zu denken. in dem einzigsten kleinen schattenplätzchen weit u breit sitzt dieser —- typ: sonnebrille auf u ein schildchen am kurzarmshirt. vmtl irgendjemand von der aufsicht. abgestellt für gestrandete reisende: mich. meine lust ist begrenzt. obwohl ich die vielen begegungen mit menschen unterschiedlichster herkunft gerade äußerst genieße. auf diese hab ich keine lust. nicht die geringst. all dies hatte in einem fußweg von vlt 10 schritten platz. nimmt man die zeitspanne ab today no trains dazu ist es vlt eine minute. seit soll ich noch mit rein?!? vmtl 2. u ein laufweg von höchstens 100m. warscheinlicher sind 70. mein innen dagegen hat ein gefühlsleben von einem ganzen tag erlebt. von angespannt-respektvoll über schock u andrenlin bis hin zu neugierig gepaart mit einbisschen abenteuerlust u erwartung. oh gott! na dann, zeig mal was du kannst! das bin jetzt ich. u ich habe noch keine ahnung an wenn genau ich diese aufforderung richte. ich frage zuerst den typ im schatten. es ist kein anderer da u mein handy hat für dieses land keinen datenempfang. seins schon. leider wertloss wenn die hirnzellen nicht auf an stehen. oder —- nein, ich lasse es sein.

erst jetzt fällt mir auf, dass hier weit u breit kein anderer mensch zu sehen ist. durch die baustellengitter am bahnhofsgebäude kann ich auf dem leeren parkplatz in einiger entfernung eine bushaltestelle erkennen. was soll ich sonst machen? ich laufe rüber. u treffe den engel. er sitzt mit kopfhörer u einem fetten verbindungskabel zum smartphone auf der bank. nein ich treffe ihn nicht. ich nehmen ihn nur am rande meiner theaterbühne wahr, vmtl ein zuschauer der zufällig hergefunden hat. oder ein statist? meine konzentration ist erstmal auf den busanschlag gerichtet. hebräisch. kein wort auf englisch. nicht mal die abfahrtszeiten. keine chance. jetzt wandert mein blick auf die bank. vlt platzanweiser. oder soufleur? er hört musik oder sonst was. ich frage vorsichtig. ob wohl ein bus nach tel aviv geht?ja, ich will in die stadt. er will auch dahin. kommt gerade von der arbeit. heute fahren keine züge. aber es gibt eine busverbindung. ich kann mit ihm fahren. über eine andere stadt. ca. 1h. einmal umsteigen. in ca. 20 min. männlicher nebendarsteller! zuerst kommt ein andere bus. der engel fragt den busfahrer: nein, nicht unser bus, die gegenrichtung. wir warten noch weiter. er hat mich neben sich auf die pritsche gesetzt. u erzählt, dass er in einem restaurant kocht. oder macht er den abwasch? wir reden noch einbisschen. er sagt mir die busnummern für die rückfahrt. von unsicherheit noch keine spur. klar fahre ich! zurück werd ich schon irgendwie kommen. der gerdanke daran war nur flüchtig  in einer hinteren hirnregion wahrnehmbar. die busnummern zurück hab ich aufgeschrieben.

eben dieser engel schickt sich jetzt an hier auszusteigen. u ich eire. das wirklich erstemal an diesem tag. raus? rein? sitzenbleiben? allein? schließlich ist es die vorstellung allein zu sein oder die entstandene bindung an diesen kleinen mann, der mich im zweiten bus vmtl aus sorge neben sich hingesetzt hat – sit here! – die mich aussteigen u folgen lässt. diese verunsichrung scheint er wahrzunehmen. aber die verständigung klappt nicht mehr. er versteht nicht, was ich will. ob ich nach jerusalem will? seine augen u sein verhalten signalisiert so etwas wie verwirrung u besorgnis.  auf das wort beach? zeigt er mir, wo der bus zurückfährt. und muss sich wohl doch für die andere richtung entschieden haben. beach! er läuft noch ein stück mit mir. dann biegt er rechts in einen park u ich laufe allein weiter gerade aus. noch unfähig die umgebung wahrzunehmen. ich bin mit mir beschäftig. um aufrechtzuerhalten, was innerlich gerade dem zusammenbruch nahe ist. einen fuss vor den anderen. staße, geweg. enger werdender gehweg. menschen: touristen? vmtl sie sprechen englisch. langsam kommen außenreize im hirn an. läden. mit gewürzen u nüssen in den auslagen. direkt an den schmalen gehweg anschließend. eigentlich ist dieser teil der geschäfte. cafes. eines davon ist meine erste anlaufstelle. zum ankommen. dann laufe ich entspannter weiter. zur touriinformation. eigentlich sind die nicht meine anlaufstelle bei stadtbesuchen. heute schon. ich brauche einen wlan zugang u eine möglichkeit um mein handy aufzuladen. beides erhalte ich dort u so sitze ich eine halbe stunde am rand der theke u schreibe mit menschen die zuhause sind. mit bekannten. tue bekanntes. weil es mich beruhigt. wie autisten mit ihren stereotypen. um sich in einer fremden umgebung zuhause zu fühlen. es hilft. danach bin ich bereit mit dem jungen mann hinter der theke zu sprechen. er fragt, was ich machen will. wo ich herkomme. warum ich hier bin. was? noch nie hier gewesen? er tischt mir eine reihe von sehenswürdigkeiten auf. gibt mir einen stapel von informationen mit. ich packe sie in der rucksack u laufe los. später werde ich keine von ihnen gesehen haben. dafür das leben. ich bin ziellos in der stadt herumgelaufen. war am strand. in der höhe u in den straßen. ich schaue minutenlang auf türkiesblaues u frisches wasser. u fotographiere unzählige grafittis in allen größen. meine heimfahrt war so aufregend wie die hinfahrt. u ich wurde wieder von ruth abgeholt. nicht an der trainstation sondern am busbahnhof. am vorabend von shabbat fahren die busse nicht mehr so lang. wie lange weis niemand im vorraus so genau. einen teuren auslandsanruf hat mich das gekostet. aber man lebt nur einmal. also das besser in vollen zügen.

vom ausguck kommt eine stimme: land in sicht!

Na dann, zeig mal was du kannst.

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