auf die wiesen, genossen.

2018 ist mal wieder ein jubiläumsjahr. ´17 haben wir luther u die reformation gefeiert. 2*18 sind es nun also die 68er — ikonen? das jahr 1968.
ich habe am wochenende die wochenendbeilage der lokalzeitung meiner eltern mitgenommen. genaugenommen nur diese 2-3 artikel zu dem jahr 68. dieser jahrgang oder diese epoche hat mich schon immer fasziniert. ich habe mir früher gewünscht, damals gelebt zu haben – neben andern verrückten jugendwünschen. hippie zu sein. habe mir schlaghosen u lange röcke genäht, nach mr.big u takethat in der frühen jugend liefen the mamas & papas, cat stevens u später the doors u co. schon mächtig erwachsen war ich noch mächtiger schockiert als auf dem heimweg vom kongfu-training mein schwuler — hmmm — trainingspartner the doors nicht kannte. geht das? das ist doch nicht normal: wer kennt the doors nicht?!?

ich lese also heute morgen bei müsli u ingwertee über den contargan-prozess, die springer-debatte, vietnamkrieg, anschläge auf martin luther king, rudi dutschke u robert f. kennedy, studentenaufruhre in paris u deutschland, den pragerfrühling u noch mehr. ich lese pro u kontra-bewertungen der 68er – studentenbewegung aus heutigem blickwinkel. ich denke mir, die franzosen die versammeln sich einmalmehr als kollektiv, als volk auf den straßen u wir s treiben s dafür mal wieder in skurriler weise auf die spitze, oder lassen es von andern auf die spitze treiben. u sympathisieren im geheimen. u auch hier mag ich mich selber mit einbeziehen: in jungen erwachsenen jahren war ich fasziniert von der bewegung um gudrun e. u andreas b., bin es in gewisser weise auch jetzt noch: welche kraft hat hinter diesen menschen gesteckt, dass sie eine bewegung losgetreten u damit über jahre ein ganzes land auf trap gehalten haben. die aktionen u resultate mal ganz auseracht gelassen. u was sind wir deutsche für ein volk? dass wir so etwas nochmals – scheinbar in dauerschleife mit uns machen lassen?
in tü sagte mal ein typ im park um den bahnhof zu mir in deutschland habe es keine revolution gegeben weil auf den wiesen schilder aufgestellt waren ´betreten der grünfläche verboten`. u ja: er hatte recht. die schilder standen immer noch da.

ich war gestern mit lene in stuttgart unterwegs. wir haben stoff, bücher zum reinschreiben, secondhänd-klamotten u dinge bei dm gekauft. die meiste zeit waren wir aber im cafe im fluxus. an einem großen runden tisch, an den sich während wir saßen u kaffee tranken 3 andere kaffeetrinkende niederließen u wieder erhoben. wir saßen also lange. u haben uns über mode u nähen, beten, fortbilden, leben auf dem dorf vs. in der stadt u individualismus im mainstream unterhalten. über diesen vorletzten absatz im vorletzten beitrag. lene hatte mir auf den beitrag etwas geschrieben u ich hab mich getraut zu fragen wie sie den beitrag fand. ohne wein — je, fortschritt!! also sagte sie, sie habe den vorletzten abschnitt nicht verstanden. was auch kein wunder ist, er war ja sehr kurz gehalten. letztendlich haben wir nicht darüber diskutiert – eigentlich hab ich erklärt. habe ausgeholt u im monolog geredet, die zwischenzeilen mit beispielen gefüllt. dann hat lene nachgedacht. ich bin aufs klo. als ich wiederkam haben wir die jacken angezogen u sind gegangen.
mit dem ersten schritt aus dem cafe raus in die stadt hatte ich das gefühl aus einer geborgenen welt in eine gnadenlose zu gehen. immer noch im fluxus. immer noch von stuttgarts künstlern bzw hippstern umgeben. im cafe waren vmtl eben diese. viel individuelle menschen. die 5 unterschiedlichen die an unserem tisch saßen waren es aus der nähe, die anderen konnte ich nur von weitem wahrnehmen. eine gemeinschaft – mainstream kaffeetrinkend u doch alle sehr verschieden. individuell. in einer freiheit den anderen aber einfach so sein lassend. individuell u eigen. und selber ebenso lebende. zufrieden. ruhend. draußen war jeder allein unterwegs. das gefühl – u die wahrnehmung dessen – war kurz erschreckend.

ich finde wir haben schon längst zustände wie in den 60/70er jahren. die wellenbewegung ist wieder da angekommen: stillstand oben u rumoren im volk. u das ist ja auch nichts neues. dass wir da wieder angekommen sind. neu wäre eine bewegung, die aus dem alten lernt – aus dem, was kommt, wenn man zulange stillhält. aber auch dass revolutionen u proteste nichts umwälzend — besser: gewinnbringend verändern. nicht bleibend. u ich sehe auch, dass es diese bewegungen gibt. im kleinen. da wo communitiys entstehen um leben zu erhalten – das sonst dem kommerz der schönen u reichen anheim gefallen wäre bzw. droht dieses zu tun. erfolgreich im galao bzw hoffentlich beim fluxus. beides in stg. in tü u anderen studentenstädten gibt es das umsetzten der idee schon längst, z.b. dort wo studenten ihre wohnheime kaufen u selbstverwaltet weiterführen. in stuttgart jetzt auch: dort wo wohngemeinschaft in mehrfamilienhäusern gelebt wird – egal ob der nachbar die einstellung zum subjektiven sachverhalt relativ oder absolut lebt – u auf stadtviertel übergreifen. im prinzip früchte aus den 60/70er die es so über die studenten von damals in die heutige junge – naja fast heutige – generation bis hin in die hochburg der schwaben geschafft hat. beachtlich, finde ich: selbst schwabe – jung schwabe.

ich bin froh, dass ich heute leben darf. kind meiner generation u erwachsen im jubiläumsjahr der 68er. dem wievielten nochmal?

ein gutes neues euch allen! blumen im haar u fackeln in der hand. aber gemeinsam. bitte.

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