et voila!

ich bin manchmal überrascht. überrascht von mir selber. das ist eigentlich was sehr praktisches. ich liebe überraschungen. früher habe ich mich immer mit meinem mann – damaligen mann – gestritten, was die besseren weihnachts- oder geburtstagsgeschenke sind. geschenke überhaupt. nutzen oder kram. fragen oder überlegen.
in meiner familie gab es keine wunschlisten. ich kann mich kaum erinnern, dass wir wunschlisten geschrieben haben. doch: geschrieben schon, wie die weltmeister. aber das bedeutete noch lange nicht dass man dann bekam was darauf stand. das aufregendste Geschenk, das wir – lene u ich — zusammen!!! – mal zu weihnachten auspackten, war eine eismaschine aus plasik: mit einem pülverchen hat man eis machen können. irgendeine creme. irgendwo konnte man schrauben. dann aus einer düse unten die creme – gelb, rot oder braun… – in eine waffel rauslassen. die maschine war länglich u irgendwie ist sie mir creme/ rot in erinnerung. ich weis nicht, wie lange wir sie benutzt haben – nicht lange. ich weis nicht, was mit ihr passiert ist. kurz nach weihnachten verliert sie sich aus meinem gedächtnis. plastikklump. wahrscheinlich hat das auch meine mutter gedacht. damals. aber der effekt war phänomenal. ich kann mich noch erinnern, wie ich da paket entdeckt, wo wir das papier weggerissen haben. wie die sessel standen in unserem retro-wohnzimmer. fast sehe ich die leuchtenden augen vor mir, höre den schrei – ich kann mich an das gefühl erinnern: oh gott, diese eismaschine. u ich weis noch, von wem diese maschine kam. wahrscheinlich war es ein zufallstreffer: keinen wunschzettel gekannt, nicht s überlegt, keine großen ansprüche an die schenkerei – an den beschenkten, beim einkaufsbummel das geschenk erstanden, weil es gerade da war. u dann eingeschlagen wie eine bombe. nicht nachhaltig, aber der moment hat gezählt. u der war zu 170% gewonnen.

DAS sind meine geschenke. überraschungen. die können – die liegen meistens, in 80% der fälle, daneben. weil wir den beschenkten nicht kennen, nicht so wie wir uns kennen, u weil sein geschmack nicht unserer ist. weil wir uns — weil ich mich nicht so in ihn hineinversetzten kann. oder es nicht tue. in sie. keine zeit. keine lust. so.
also ist es sehr praktisch, dass ich so überrascht von mir selber bin. ich bin überrascht, von gerade. von dieser zeit. von der tramperei. ich habe in meinem leben noch nicht getrampt. nicht allein. wohl mal mit der lene… egal, das wollte ich nicht erzählen. das war eine megageile erfahrung. gestern. wie überhaupt die erfahrungen in den letzten paar wochen. monaten.

die in den letzten 3 jahren. die trennung war mein supergau. der supergau meines damaligen lebens. alles weg. und weil ich nichts mehr verlieren konnte, war es auch egal, was passiert ist. was aus meinem mund kam. ich kann mich auch hier noch an einen moment in der konferenz vor schulstart erinnern. ich – am tag nach… nein, ich glaube ich war noch nicht wieder in weil. ich weis es nicht, aber es war — es war schlimm: mein innerer zustand war schlimm. verheerend. hohl. u es war sichtbar. vmtl. u um mich rum hunderttausend menschen, auf die ich mich im normalfall gefreut hätte. die sich auf mich, auf sich gegenseitig, auf das neue schuljahr auf … die sich gefreut haben. ein bunter lehrerhaufen: alle schnattern durcheinander, es wird umarmt, geherzt, erzählt, gelacht – ich liebe es! normal. in diesem moment nicht. u das trifft es garnicht: es war mir egal. ich war wie betäubt. ich saß also im lehrerzimmer vorne, direkt vor dem kleinen chef. extra: wollte keinen sehen. hinter mir meine kollegen u kolleginnen. ich war schwach, habe deswegen die füße auf den stuhl vor mir gelegt. u ich war mit den gedanken nicht bei der sache. vmtl habe ich deswegen einfach reingeredet. heute wäre ich gerne nochmal in diesem moment, würde gern nochmal in die augen meines chefs schauen, in diesem moment: ich weis nicht, ob der blick überraschung, entrüstung oder verwunderung zeigt. vlt eine mischung. ich weis auch nicht, ob diese mischung meinem reinreden gilt. oder der tatsache, dass ich mich nach 6 jahren teilnahme an den konferenzen zum erstmal zu wort melde. oder dem, dass ich unverschämterweise etwas sage, was üblich an anderen schulen ist, aber nicht hier. seit jahren nicht hier. noch nie hier! es ging um die selbständige wahl eines termines für … ist auch egal. was ich – das ich sprach war nicht auflehung, nicht provokation, nicht kampf, es war einfach nicht nachgedacht. u schwach. weil nicht s mehr zu verlieren war, war auch egal was die anderen dachten. weil keine kraft da war die maske zu halten, konnte sie auch ganz fallen. ich war da. ultraviolett hatte infrarot wieder. der fächer war offen – et voila: die mone. im tonfall der lene. mit dem lachen der lila. u den offenen armen der claudi.

im rückblick bin ich überrascht, was aus dieser mini-episode geworden ist. die mini-episode im lehrerzimmer, die dem supergau meines erwachsenen lebens geschuldet war. eine liebe kollegien hat mir irgendwann in jenem Schuljahr, ich kam gerade – abgemagert bis auf die Knochen, die schlaghose daher auf den – unter den hüftknochen, die kapuze ins gesicht gezogen, die ohrstöpsel noch in der hand u ein teint wie der tod – vom rauchen. sie sagte: du siehst aus wie eine abgefuckte jugendliche. die kollegen drum rum fanden das eine unverschämtheit, für mich war es ein kompliment, weil es ehrlich war. so habe ich mich gefühlt. jugendlich. jung. u ich. ich konnte reden. in den konferenzen. ich konnte rauchen. ich konnte … ich war frei. ungewollt frei. ich konnte meinem chef – klein u groß u auch dem heimlichen – sagen was ich scheise fand. einfach weil ich es konnte. u ich war überrascht, dass ich es konnte. das ich die sprache hatte. die argumente. das mein arm in den konferenzen ein eigenleben zu haben schien. u ich ihn manchmal auch garnicht nutzte. nicht s mehr zu verlieren.
auch was wir mit der mav gemacht haben, war jung u wild.
ich war auch da überrascht. u ich habe die überraschung der anderen gemerkt. ich kann mit überraschungen. ihr?

u welcher slogen kommt einem da ziemlich schnell? mir? — genau: ein stern, der über stuttgart steht… jung u wild. nicht s zu verlieren. u dabei alles gewonnen. die meisterschaft. 2007. in dem jahr in dem ich geheiratet habe. witzig, was?!? egal. SO werden helden gemacht! dortmund auch. die gelbe wand. ja mit geld auch: das geht auch. das geht immer. wenn nichts geht, geht das. wenn man das hat. geht auch, ist halt scheise.
so, und dann… wurde kur — ok, ich merke: ich kenne mich nicht aus. in details. habe auch was entscheidendes verwechselt. nicht kurani war der titelträger sondern gomez. die eigenen… wäre mal interessant darüber nachzudenken. darüber zu reden. zu hören, was mein vater dazu weis. oder seine freunde. mehr als ich. darin liegt sicher auch ein schatz verborgen. nicht darin, die klappe zu halten, wenn man sich nicht auskennt: darin auch, aber ich meine den der vereinsgeschichte des vfb s. des fussballs abseits der kohle.

ich bin froh, dass der – dass mein fächer offen ist. u dass ich niemand brauch, der mich überrascht, weil ich das offensichtlich selber kann. praktisch. dass ich mich scheinbar selber nicht so gut kenne u dass ich ausprobieren darf. wo das hinführt weis kein mensch. aber es führt. das ist besser als stehen bleiben.

vor einigen jahren habe ich einen wunschzettel geschrieben. mein ex-mann u ich waren gerade in den schwarzwald gezogen u überlegten, was wir über den sommer noch alles brauchen für unsere wohnung: ich habe unten vw-bus draufgeschrieben. utopisch. — hä? was? ja. so sehen meine wunschzettel aus. stimmt: utopisch. aber jetzt steht er — vor MEINER Tür – hehe. über den sommer war er vom Himmel gefallen, im herbst hatten wir unseren ersten urlaub im bus in ö gemacht. jetzt steht er abgemeldet auf meinem stellplatz u das leben fühlt sich frei an. keine kosten für dies u das. keine sorgen. keinen fetten schlüssel mehr am schlüsselbund. ich glaube ich verkaufe ihn. aus der kult.
prinzessinnen lassen sich fahren.

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